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Stationenweg

„Die Reformation war ein Gemeinschaftswerk“ – Festakt im Rathaus zum „Europäischen Stationenweg“ in Minden

Drei Tage war das Geschichtenmobil des „Europäischen Stationenweges“ in Minden auf dem Martinikirchhof zu Gast, drei Tage gab es dazu ein begleitendes Festprogramm und als Höhepunkt am Samstagabend einen dreistündigen Festakt mit 260 geladenen Gästen im Rathaus. Das kurzweilige Programm gestalteten ein Posaunenchor, zwei Chöre, ein Saxophon-Quintett, Schüler*innen des Community Dance-Projektes und Poetry-Slammer. Ehrengäste des Festaktes waren die Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann, und die Präses der Landeskirche in Westfalen, Annette Kurschus. Beide strichen die besondere Rolle Mindens in der Zeit der Reformation heraus, beleuchteten aber auch aktuelle Aspekte wie die Bedeutung von Bildung, Integration und Inklusion – passend zum Titel der Station Minden „Nicht ohne Dich“.

Die Ereignisse der Zeit um 1530 wurden von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) als so bedeutend bewertet, dass Minden Teil des durch 68 Städte und 19 Länder führenden Stationenweges anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ ist - als einzige Stadt der Landeskirche in Westfalen. „Eine wirkliche Ehre für unsere Stadt“, lobte Bürgermeister Michael Jäcke in seiner Begrüßung. „Das ist der bewegten Reformationsgeschichte Mindens mit der bahnbrechenden Kirchen- und Schulordnung des Reformators Nikolaus Krage von 1530, den mutigen und frühen reformatorischen Predigten des Geistlichen Albert Nisius an St. Marien und des zum Pfarrer berufenen Heinrich Traphagen an St. Simeonis zu verdanken“, so Jäcke weiter. Er rief in Erinnerung, dass in diesem Rathaus vor knapp 500 Jahren der Ausschuss der sogenannten „36er“ – Bürger, die sich dem Gedanken der Reformation verschrieben, die Repräsentanten der altgläubigen Konvente vorlud und unter Druck setzte, bis diese schließlich Minden verließen.

Die von Martin Luther angestoßene Reformation vor 500 Jahren habe eine neue Sicht auf den Glauben ermöglicht und diesem ein neues Verständnis von Weltoffenheit gegeben. „Die Reformation war ein Gemeinschaftswerk, sozusagen eine Graswurzelbewegung, die sehr vielfältig war und heute noch prägend ist“, sagte Präses Annette Kurschus in ihrer Rede. Auch sie nahm Bezug auf die mutigen „36er“, die die Reformation in Minden verbreitet und verteidigt haben. Als eine der wichtigsten Errungenschaften der Reformation bezeichnete Kurschus Bildung für alle, die „Raum zum Denken“ gab.

Mit dem Luther-Zitat „Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert“, stieg Landesministerin Christina Kampmann in ihre Festrede ein. Wissen zu erlangen, sei ein tragendes Ideal, das auch in späteren Zeiten der Aufklärung und im Humanismus große Bedeutung gehabt habe. Menschenrechte gehören gestern wie heute zum moralischen Grundverständnis. „Glücklich sind die, die in der Lage sind, dieses Recht wertschätzen zu können, wie wir“, machte Kampmann deutlich. Reformation ist prägend gewesen und sei es noch. Denn Reformation stehe für „eine Erneuerung der Werte“, sagte die Ministerin. Diese Errungenschaften seien als ein Gewinn und Geschenk zu sehen. Luther, der Mann zwischen Mittelalter und Neuzeit, habe den Menschen Bildung und damit auch Entfaltungsmöglichkeiten gebracht, womit sie die Brücke zur aktuellen frühkindlichen Entwicklung und der Bedeutung von Kindertagesstätten schlug. „Jeder dritte Euro des Landes NRW fließt in Kultur, Bildung, an Kinder und Jugendliche“, hob Christina Kampmann hervor. Jedes Kind habe ein Recht auf Bildung und „beste Rahmenbedingungen“.

Mit aktuellen Fragen zu Bildung, Integration und Inklusion setzte sich dann auch eine von Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Jürgen Tiemann moderierte Runde auseinander. „Was haben wir in Minden bisher gut gemacht und vor welchen Herausforderungen stehen wir?“, waren die Fragen, die an jede/n Gesprächsteilnehmer*in gerichtet wurden. Interviewpartner*innen waren Dorit Kock-Engelking (Leiterin der Ein-Welt-Schule), Kameran Ebrahim, (Vorsitzender des Integrationsrates), Stephan Richtzenhain (Unternehmer und Initiator der Bildungspartner/Flüchtlingspartner), Kira Lepsin (Mindener Stiftung für Kinder), Prof. Dierk Starnitzke (Theologischer Vorstand des Wittekindshofes) und Thomas Lunkenheimer (Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung) sowie Albert Henz (Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Westfalen).

Prämiert wurden im Rahmen des Festaktes die Preisträger*innen des Schülerwettbewerbes „Nicht ohne Dich“. Fünf Beiträge wurden eingereicht, die eine Jury zu bewerten hatte. „Alle Beiträge zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Themen unserer Zeit und sind es absolut wert, gesehen, gelesen und gehört zu werden“, fasste Kristin Steinmeier für die Jury zusammen. Den ersten Preis der Kategorie Gruppe erhielt der Film „Fremdwort Heimat“, der von völlig verschiedenen Menschen erzählt, die sich nicht nur gegenseitig fremd sind, sondern die beide in ihrer persönlichen Lebenssituation selbst Fremde sind. Den zweiten Platz erhielt der Beitrag „Glückliche Brötchen“, der sich mit Nachhaltigkeit und fairer Produktion auseinandersetzt. Die Einzelpreise erhielten Anna Redecker mit ihrer wissenschaftlich anmutenden Arbeit „Bildungsversprechen“, Ester Kipnis mit einem Beitrag zum Umgang mit Tieren unter dem Titel „Alles in Ordnung?“ und Lissen Westerdorf mit einer selbstverfassten Geschichte frei nach dem „Kleinen Prinzen“.

Spaß hatten die 260 Gäste mit den beiden Siegern des Poetry-Slams „Nicht ohne Dich“, Diego Hagen (Rostock, 1. Platz) und Daniel Wendt (2. Platz, Minden). Dritte wurde Anne Kalkbrenner (auch aus Rostock). Neun junge Slammer traten am Freitagabend (25. November) in der Petri-Kirche gegeneinander an. In der ersten Runde wertete eine siebenköpfige Jury, in der zweiten das Publikum. Präsentiert wurden die beiden Sieger von Slam-Master Peter Küstermann und Jung-Slammerin Marie Kusmnow.

Das Rahmenprogramm des Abends gestaltete die Saxophon-Gruppe „Quintessenz“, der Kinder- und Jugendchor „Tookula“ der Christuskirche, der Kammerchor von St. Marien und ein Trio aus jungen Community Dance-Schülern mit einer besonderen Interpretation des Messias. Durch den Abend führte Moderator Bernd Becker (Evangelischer Presseverband). Den Abschluss bildete der Segen von Präses Annette Kurschus und das gemeinsam gesungene Lied “Tochter Zion“.

Text und Fotos (© Pressestelle der Stadt Minden)

Weitere Informationen und Bilder finden Sie unter

Stadt Minden

Einfach frei

Europäischer Stationenweg

Der "Europäische Stationenweg" kommt am 26. November 2016 nach Minden.

Durch 68 bedeutsame Städte der Reformation in 19 Ländern geht ein "Show-Truck" auf Tour. Am 3. November 2016 startet der Truck im schweizerischen Genf. 1536 wurde die Reformation und die unabhängige Republik Genf eingeführt.
Bereits am 26. November 2016 wird der Truck in Minden Station machen.

In Minden löste die Reformation schwere Konflikte aus. Ende 1529 bildete sich ein neuer Rat aus 36 Männern, der das Stadtregiment übernahm und die Repräsentanten der alten Kirche nötigte, den neuen Glauben anzunehmen. Es war der Beginn der Reformation in Minden. Am 13.02.1530 verkündete Nikolaus Krage die neue Kirchenordnung von der Kanzler der St. Martinikirche.
Die Gründung einer Lateinschule, das heutige Ratsgymnasium Minden, basierte auf dieser Kirchenordnung.

Der Ev. Kirchenkreis Minden und viele Partner der Stadt Minden - VHS, Minden Marketing, Kunstverein, Geschichtsverein und viele andere beteiligen sich an der Gestaltung eines vielfältigen Programms.

Weitere Informationen zum "Europäischen Stationenweg " finden Sie auf den Internetseiten:
- www.r2017.org Gesamtorganisation der Evangelischen Kirche in Deutschland "Reformationsjubiläum 2017"

- www.minden.de/Kultur/Stationenweg/ Die Stadt Minden ist eine Station vom 25. - 27. November 2016 auf dem Stationenweg zum Reformationsjubiläum 2017.

- www.reformation-cities.org Reformationsstädte Europas

- www.einfach-frei-2017.de/stationenweg/ "Einfach frei" Projekt der Evangelischen Kirche von Westfalen

Die Reformation in Minden führte 1529 und 1530 zu Veränderungen, Brüchen und Aufbrüchen – für Kirche, Rat und Schule. Mit der ersten westfälischen evangelischen Kirchenordnung wurde auch eine Lateinschule, das heutige Ratsgymnasium, gegründet. Wie sähe heute eine Schulordnung aus, die die Umbrüche der heutigen Zeit aufnimmt? Welche Bildung und welche Werte braucht die globalisierte eine Welt? Die Reformation leitete grundlegende Veränderungen im Blick auf Sprache, Allgemeinbildung, Verantwortung des Einzelnen und Herrschaftsstrukturen ein.

Der zum Pfarrer an St. Simeonis berufene Heinrich Trapphagen hielt Predigten mit reformatorischen Inhalten und wurde in Kerkerhaft genommen. Mindens Bürger standen jedoch so entschlossen hinter den Ideen der Reformation, dass sie ihn aus dem Kerker befreiten und erneut als Prediger einsetzten. In diesem Zusammenhang bildete sich die Gruppe der „36er“ - angesehene Mindener Bürger, die auf friedliche und geordnete Weise die Reformation in Minden voranbringen sollten. Der an St. Marien tätige Pfarrer Albert Nisius wurde zwar vor das Domkapitel zitiert, kam aber ohne Maßregelung davon. Die Bürger holten Nicolaus Krage nach Minden, der in Wittenberg direkt von Martin Luther ausgebildet worden war. Im Februar 1530 verlas Krage in St. Martini eine Kirchen- und Schulordnung für Minden in Form einer Satzung des Rats der Stadt Minden. Noch im selben Jahr wurde auf der Basis dieser Kirchenordnung ein Kloster säkularisiert und eine Schule gegründet. Die evangelische Mindener Bürgerschaft schuf sich also nicht nur vergleichsweise früh ihre eigene satzungsmäßige Religionsfreiheit, sondern etablierte zugleich ein geordnetes Bildungssystem.

An den historischen Stätten lassen „Reenactors“ die Zeit um 1530 wieder lebendig werden. Ein Wettbewerb um eine moderne, zeitgemäße Schulordnung unter dem Motto „Nicht ohne dich“ wird ausgelobt, Mindener weiterführende Schulen beteiligen sich mit einem „Community Dance“-Projekt. Dabei geht es um gelebte Inklusion, ein „Herzliches Willkommen“ an Flüchtlinge ebenso wie an Menschen mit Behinderungen oder sozial benachteiligte Menschen.
Außerdem in Planung: kirchenmusikalische Projekte, ein „Poetry Slam“, Vorträge des Geschichtsvereins, Schulprojekte und Bildungsangebote an der Volkshochschule und der Erwachsenenbildung, Ausstellung aktueller Kunstwerke zum Thema „Re-Formation“.