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Minden ist jetzt „Reformationsstadt Europas“

Nun ist es amtlich: Ab sofort darf sich MInden „Reformationsstadt Europas“ nennen. Im Rahmen eines Empfangs im historischen Ratssaal der Stadt Minden überreichte Pfarrer Dr. Bernd Jaeger von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) die Ernennungsurkunde an Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Jürgen Tiemann.
Der Titel Reformationsstadt Europas ist eng verknüpft mit der Beteiligung Mindens am Projekt „Europäischer Stationenweg“ anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation. Der Stationenweg wird organisiert von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Das Projekt Reformationsstadt Europas wird verantwortet von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE).
Alle Städte, die sich am Stationenweg beteiligen, können beantragen, Reformationsstadt Europas zu werden. Grundidee ist, durch die Verleihung dieses Titels ein dauerhaftes Netzwerk zwischen den Städten des Stationenwegs zu knüpfen.
Beim Empfang im Rathaus begrüßte zunächst Bürgermeister Jäcke die geladenen Gäste aus Politik und Kirche sowie Vertreterinnen und Vertreter der Medien. In seiner Ansprache betonte er die große Bedeutung, die der Stationenweg für Minden hat, und blickte zurück auf die bewegte Geschichte der Stadt in den Jahren der Reformation.
Bereits seit den 1520er Jahren hielten der Geistliche Albert Nisius an St. Marien und der zum Pfarrer berufene Heinrich Traphagen an St. Simeonis Predigten mit reformatorischen Inhalten. Der Widerstand seitens der katholischen Geistlichkeit war groß, aber letztlich setzte sich das evangelische Gedankengut durch. Nisius wurde zwar vor das Domkapitel zitiert, kam aber ohne Verurteilung und Strafe davon; Traphagen wurde im Herbst 1529 in Kerkerhaft genommen. 36 angesehene und couragierte Mindener Bürger schlossen sich zusammen, befreiten Traphagen und setzten ihn erneut als Prediger ein. Um sich gegen den katholischen Widerstand zu behaupten, holten sie außerdem Nikolaus Krage nach Minden, der in Wittenberg direkt von Martin Luther ausgebildet worden war, und inzwischen in Stolzenau predigte. Schon sechs Wochen später verkündete Krage in St. Martini eine Kirchen- und Schulordnung für Minden in Form einer Satzung des Rats der Stadt Minden. Noch im selben Jahr wurde auf der Basis dieser Kirchenordnung eine Lateinschule gegründet. Diese Schule besteht bis heute als Ratsgymnasium der Stadt Minden.
Pfarrer Dr. Jaeger, der eigens für die Vergabe der Urkunde aus Wien angereist war, führte aus, dass generell die Städte eine Schlüsselrolle für die letztlich europaweite Verbreitung reformatorischen Gedankenguts gespielt hätten. Vorrangiges Ziel der Reformation sei es gewesen, Menschen zur Mündigkeit zu führen. Minden habe dieses Ziel konsequent verfolgt und gemeinsam mit der neuen Kirchenordnung eine Schulordnung für das bis heute bestehende Ratsgymnasium verkündet. Minden sei daher „eine Reformationsstadt europäischen Rangs“.
Auch Superintendent Tiemann betonte in seiner Ansprache die herausragende Bedeutung der Reformation für Bildung und bürgerliches Selbstverständnis. Fast sei die Reformation so etwas gewesen wie eine Zeit der „Vor-Aufklärung“. Zugleich bezeichnete er es als große Ehre für den Kirchenkreis, dass Minden nun Reformationsstadt Europas ist. Dieser Titel würdige u. a. auch, dass Minden zur Zeit der Reformation kirchlich gesehen einen höheren Rang gehabt habe als heute und z. B. auch die bedeutenden Schmalkaldischen Artikel mit unterzeichnet hat.
Text und Foto: Carola Mackenbrock